Zwei Seiten einer Medaille - Gott und die Quantenphysik
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    128 Seiten, gebunden mit Schutzumschlag, 12,0 x 19,5 cm
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Theologie und Physik im Dialog

Naturwissenschaft und Theologie- ist das miteinander vereinbar? Viele Menschen heute glauben eher der Naturwissenschaft als der Theologie. Doch gerade die heutigen Erkenntnisse der Quantenphysik und Kosmologie haben zu Veränderungen im Verhältnis von Physik und Theologie geführt.

 

Verständlich und leicht nachvollziehbar erklärt der Physiker Michael Grün zusammen mit seinem Bruder dem Benediktinerpater und Theologen Anselm Grün, warum Physik und Theologie sich nicht widersprechen, sondern ergänzen. Auf ihre je eigene Weise eröffnen Religion und moderne Wissenschaft Wege zur Lebensbewältigung und sind dabei nur verschiedene Zugangsweisen zur gemeinsamen Erkenntnis der Wahrheit.

 

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Michael Grün: Gott »hinter« dem Urknall Beginnen will ich mit vier... mehr

Michael Grün:

Gott »hinter« dem Urknall
Beginnen will ich mit vier Erkenntnissen der Kosmologie:

Noch 1920 glaubten mit Albert Einstein fast alle Physiker, das Universum sei ein statisches Gebilde, in dem nur im Sonnensystem Bewegungen ablaufen würden, die man mit den Newtonschen Bewegungsgesetzen beschreiben könne. Ab 1925 entdeckten jedoch zuerst Vesto Slipher und dann vor allem 1928 Edwin Hubble, dass das Universum gar nicht starr ist, sondern dass da eine gewaltige Dynamik herrscht. Es ist so, dass sich fast alle Milchstraßen voneinander weg bewegen, und je weiter eine Milchstraße von uns entfernt ist, desto schneller bewegt sie sich fort. Es dauerte noch rund zwanzig Jahre, bis man sich traute, eine logische Folgerung aus dieser Erkenntnis heraus zu formulieren. 1948 veröffentlichten Ralph Alpher, Hans Bethe und George Gamow die heute von fast allen Physikern akzeptierte Urknalltheorie.

Nach dieser Urknalltheorie war zu Beginn des Weltalls der gesamte Kosmos konzentriert auf einem win¬zigen Fleck von einem Durchmesser kleiner als 10-35 Metern – das ist ein Milliardstel von einem Billionstel eines Billionstel Zentimeters. Nach jetziger Kenntnis wurde vor 13,8 Milliarden Jahren durch irgendetwas – etwas Explosionsartiges, das man heute Urknall nennt – alles auseinandergetrieben. Der Kosmos fliegt auch heute noch immer weiter auseinander und dehnt sich aus. Dieser Urknall wird von vielen als Schöpfung angesehen, als Auslöser wird etwas angenommen, das auch als Gott bezeichnet werden kann. Gott wurde damit in der Physik wieder ins Bewusstsein gerückt, er hatte plötzlich bei vielen Physikern wieder einen Stellenwert. 1952 erklärte Papst Pius XII., dass die Urknalltheorie in tiefer Harmonie mit dem christlichen Dogma sei und die Existenz eines Schöpfers untermauere. Ich möchte aber nicht verhehlen, dass es Spekulationen gibt, den Schöpfungsakt beim Urknall zu umgehen. Dann wird der Urknall nur als der Übergang eines früheren Universums in einen neuen Zustand angesehen. Allerdings taucht dann die Frage nach einem Schöpfungsakt nur zu einem anderen, noch früheren Zeitpunkt auf.
 
Wir wissen heute, dass unser Weltall viel, viel größer ist, als wir es uns noch vor etwa hundert Jahren jemals hätten vorstellen können. Um Christi Geburt schätzte man den Durchmesser des Weltalls zwanzig Mal so groß ein wie den Abstand des Mondes von der Erde, das sind etwa acht Millionen Kilometer.
In der Kosmologie verwenden wir statt der Einheit Kilometer lieber Einheiten wie Lichtsekunden (cs), Lichtminuten (cmin), Lichtstunden (ch), Lichtjahre (ca). Licht hat im Vakuum immer die gleiche Geschwindigkeit – 300 000 Kilometer pro Sekunde. Eine Lichtsekunde ist zum Beispiel die Strecke, die das Licht in einer Sekunde zurücklegt, damit also 300 000 Kilometer – die anderen Einheiten berechnen sich in gleicher Weise.
Als ab 1609 Menschen Fernrohre ins Weltall richteten, bekam man eine Ahnung davon, dass das Weltall deutlich größer sein muss als zuvor vermutet. Um 1915 schätzte man es schließlich auf 120 000 Lichtjahre. Die Milchstraße erkannte man als eine Ansammlung vieler Sterne, von denen der Alpha Centauri unserer Sonne am nächsten ist. Er ist etwa 4,3 Lichtjahre von uns entfernt. Das bedeutet, dass wir ihn dann, wenn wir ihn sehen, nicht sehen wie und wo er heute ist, sondern wie und wo er vor 4,3 Jahren war.

2.
Heute wissen wir, dass unsere Milchstraße etwa einhundert Milliarden solcher Sterne wie unsere Sonne oder den Alpha Centauri enthält und einen Durchmesser von etwa 120 000 Lichtjahren hat. Sie ist aber nicht die einzige Ansammlung von Sternen und Milchstraßen im Universum, sondern es gibt etwa einhundert Milliarden solcher Milchstraßen mit durchschnittlich etwa je einhundert Milliarden Sternen. Das Weltall hat einen Durchmesser von etwa 40 Milliarden Lichtjahren.
Wenn man sich die Größe dieses Universums vor Augen führt, kann man nur staunen und muss als Mensch demütig werden. Und heute wissen wir nicht einmal genau, ob es nicht viele solcher Universen gibt, wie das, in dem wir uns befi nden.

3.
Sofort nach Postulierung des Urknallmodells kam die Hoffnung auf, dass – wenn man die Vergangenheit des Universums berechnen könne – vielleicht auch seine Zukunft berechenbar sei. Vor allem interessier¬te, ob die Expansion des Weltalls immer weitergehen wird oder irgendwann zum Stillstand kommt – wobei sich dann anschließend durch die Gravitation der Massen im Weltall das Universum wieder zusam¬menziehen müsste.
Die entscheidenden Größen zur Berechnung der Zukunft des Universums sind die Ausdehnungsgeschwindigkeit und die Menge an Substanz im Weltall. Nachdem die Ausdehnungsgeschwindigkeit bis 1980 schon ziemlich genau bekannt war, reduzierte sich das Problem auf die noch nicht bekannte Menge an Materie beziehungsweise Energie. Doch auf der Suche danach musste man etwas Verblüff endes erkennen: Von dem, was sich im riesigen Weltall befindet, bestehen nur etwa fünf Prozent aus uns vertrauter Materie oder Energie – aus dem, was nach dem »Standardmodell der Teilchentheorie« alle un¬sere Materie ausmacht, seien es kleine Atome, seien es uns vertraute Körper oder so große Gebilde wie Sterne oder gar Schwarze Löcher.
Weitere 27 Prozent der Substanz des Universums sind etwas, das uns völlig fremd ist und von dem wir nur wissen, dass es sich und unsere Materie durch die sogenannte Gravitationskraft anzieht. Wir nennen es »Dunkle Materie«. Und etwa 68 Prozent der Substanz des Universums sind noch viel rätselhafter: Sie beste¬hen aus etwas, das antigravitativ, also auseinander¬treibend wirkt. Wir nennen es »Dunkle Energie«.
Das heißt von dem, was sich im riesigen Universum befindet, sind uns 95 Prozent völlig unbekannt. Was das für Auswirkungen auf uns hat, entzieht sich unserer Kenntnis. Ob es irgendwie auf uns durch uns noch unbekannte Kräfte wirkt, wissen wir nicht. Diese Erkenntnis muss uns noch viel demütiger vor dem unvorstellbaren Universum und dem, der es geschaffen hat, machen und lässt natürlich religiösen Spekulationen viel Raum.

4.
Wir benutzen für unsere physikalischen Gesetze 37 Parameter beziehungsweise Konstanten, deren Größe wir sehr genau gemessen haben, die wir aber nicht aus anderen Gesetzen ableiten können. Solche Konstanten sind etwa die Gravitationskonstante, das Plancksche Wirkungsquantum, die elektrische Feldkonstante, aber auch alle Massen der Elementarteil¬chen. Wenn nur eine einzige dieser Größen ganz geringfügig anders wäre, hätte es niemals zu dieser Welt mit uns Menschen kommen können.
Und selbst mit diesen so bekannten Konstanten ist es fast ein Wunder, dass etwa Kohlenstoff entstehen konnte oder bestimmte Aminosäurefrequenzen und vieles mehr. Diese Erkenntnis hat seit etwa 1975 viele Physiker zu Anhängern des »Anthropischen Prinzips« werden lassen. Dieses besagt in der strengsten Form: Es muss eine Idee hinter der Schöpfung stehen – eine Idee, in der die Existenz des Menschen eine Rolle spielt.
In vielen Religionen ist dieses anthropische Prinzip ein Grundpfeiler, der sich in ihren Schöpfungsmythen zeigt. Der dritte Schöpfungsbericht der Bibel, der Anfang des Johannesevangeliums, ist etwa ein Beispiel für das anthropische Prinzip.

 

 Anselm Grün:

Was mein Bruder als Physiker über die Beziehung zwischen Physik und Religion – vor allem von seiner Erfahrung der Quantenphysik her – geschrieben hat, regt mich an, selbst über die Beziehung von Glaube und Physik nachzudenken. Mir ist klar, dass Theologie und Quantenphysik auf verschiedenen Ebenen arbeiten. Die Naturwissenschaft erklärt die Entstehung und das Wesen der Natur. Und zur Natur gehört eben auch das menschliche Gehirn, das denken kann. Die Theologie sucht Antworten auf die Fragen nach dem Sinn und Ziel menschlicher Existenz.
Dennoch berühren sich auch die Ebenen von Naturwissenschaft und Theologie. Von der Geschichte der Theologie her ist mir klar, dass alle Theologen ihre Theologie immer auch im Dialog mit der jeweiligen Philosophie und Naturwissenschaft entfaltet haben. Die Theologen haben immer auch die Natur studiert und Begriffe aus dem jeweiligen Weltbild in ihre Theologie übernommen. Und auch heute kann Theologie nur im Diskurs mit heutiger Philosophie, Psychologie und Naturwissenschaft verantwortlich betrieben werden.

Inhaltsverzeichnis:

MICHAEL GRÜN
Vorwort
MICHAEL GRÜN
Physik und Religion
Die Entwicklung der klassischen Physik
Gott »hinter« dem Urknall
Zeit und Ewigkeit
Relative Wahrscheinlichkeit
Die Relativität der Wahrnehmung
Nichts ist isoliert
Grenzen unserer Erkenntnis
Aufgabe der Religionen 

ANSELM GRÜN
 
Anmerkungen eines Theologen zum Thema »Physik und Religion«
Die Geschichte des Dialogs zwischen Naturwissenschaft und Theologie 
Die Einheit allen Seins
Geist und Materie 
Die Wirkung des Gebetes und der Sakramente
Neues Gottesbild 
Gott und das Schöne 
Glaube und Vernunft
Schluss 


MICHAEL GRÜN
Nachwort
Literatur 

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